Zu Flugannullierungen kann es aus den verschiedensten Gründen kommen. Flugannullierungen sind für die betroffenen Fluggäste häufig mit großen Unannehmlichkeiten verbunden. Hierfür können die Fluggäste sich von der Fluggesellschaft entschädigen lassen, wenn die Flugannullierung nicht auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht. Die in einem aktuellen Urteil zu entscheidende Frage war, ob ein Streik ein außergewöhnlicher Umstand ist.

Im Juli und August 2018 streikte das Personal einer irischen Fluggesellschaft. Es gab massive Flugannullierungen.

Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main zu Flugannullierung aufgrund von Streik

Erstmals hast das Landgericht Frankfurt am Main Passagieren Ausgleichsansprüche nach der Fluggastrechteverordnung wegen Flugannullierungen aufgrund Pilotenstreiks zugesprochen.

Airline hatte nicht alles Zumutbare  unternommen um Flugannullierung zu verhindern

Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass Flugreisende nach einer Flugannullierung wegen eines Streiks der Piloten Ausgleich verlangen können, wenn die Airline nicht alles Zumutbare unternommen hat, um die Flugannullierung zu verhindern (Landgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 30.01.2020, Az.: 2-24 O 117/18).

Die beklagte Fluggesellschaft mit Sitz in Irland hatte im Jahr 2018 mit der Pilotenvereinigung Cockpit über den Abschluss eines Tarifvertrages verhandelt. Im August 2018 rief die Vereinigung Cockpit die bei der Beklagten angestellten Piloten auf, an allen deutschen Flughäfen ihre Arbeit niederzulegen. Dieser Aufforderung kamen viele Flugkapitäne nach. Es kam zum Ausfall vieler Flüge.

Charterflüge anderer Fluggesellschaft zur Vermeidung von Flugannullierungen zumutbar

Die Reiserechtskammer des LG Frankfurt am Main stellt fest, dass die Fluggesellschaft im konkreten Fall nicht alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen habe, um die Flugannullierung zu vermeiden. Um eine Haftung nach der Fluggastrechteverordnung auszuschließen, hätte das Flugunternehmen aber nachweisen müssen, dass es mit seinen personellen, materiellen und finanziellen Mitteln einen Flugausfall offensichtlich nicht habe vermeiden können. Insbesondere könne eine Airline grundsätzlich gehalten sein, verfügbare Flugzeuge anderer Gesellschaften zu chartern, um die Flugannullierung zu vermeiden.

keine außergewöhnlichen Umstände bei Flugannullierung aufgrund von Streik

„Die Beklagte hat sich um die Anmietung anderer Fluggeräte einschließlich Besatzung überhaupt nicht bemüht und keinen Kontakt mit anderen Luftfahrtunternehmen aufgenommen“, so das Landgericht. Deswegen hätten trotz des Pilotenstreiks keine „außergewöhnlichen Umstände“ vorgelegen, die eine Haftung der Airline nach der Fluggastrechteverordnung ausschlössen. Die beklagte Fluggesellschaft schuldet daher Ausgleich nach dieser Verordnung aufgrund der Flugannullierungen.

Verjährung der Ansprüche wegen Flugannullierungen

Auch wir vertreten Fluggäste, die im Jahr 2018 von diesen und vergleichbaren Streiks betroffen waren. Die Ansprüche aus dem Jahr 2018 verjähren erst zum 31.12.2021!

Dieser Artikel wurde von Rechtsanwältin Antje Reif geschrieben.